"Zuwanderer freundlich zu empfangen und ihnen zu helfen ist nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit,

sie mit ihrer Religion und Kultur zu integrieren gehört untrennbar zur offenen Gesellschaft und demokratischen Kultur."

Jochen Schmidt, Direktor LZPB Mecklenburg- Vorpommern

 

 

 Delegation Zahrensdorfer Helfer besucht Einrichtung in Sumte

Am heutigen Samstag begaben wir uns mit vollgepackten Autos Richtung Sumte. Wir hatten hauptsächlich Hygieneartikel und Kinderkleidung im Gepäck. Wir wurden herzlich empfangen und durften nach kurzem "Beschnuppern" auch eine private Führung durch die Einrichtung genießen. Wir waren sehr erstaunt über die Komplexität und Professionalität. In gemütlicher Runde konnten wir unseren bisherigen Erfahrungen austauschen und wir werden auch weiterhin unterstützen, wenn unsere Hilfe benötigt wird. 

 

 

Ausbau der Internetverbindung

Heute konnten wir durch die schnelle und unbürokratische Zusammenarbeit mit dem Amt Boizenburg-Land und der Telekom einen LTE Internetzugang in der Sporthalle installieren. Ab sofort können wir einen Kontakt zu den zurückgebliebenen Familienanghörigen in den Kriegsgebieten gewährleisten. Wir sagen auf diesem Wege DANKE an alle Unterstützer. 

 

 

 Offener Brief...

Vor nicht allzu vielen Jahren präsentierte sich die Bundesrepublik Deutschland als weltoffen, freundlich und stets hilfsbereit. Unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ feierte man vier Wochen lang ein großes Fest. Nun aber, da die Gäste zahlreicher erscheinen als erwartet und länger bleiben wollen und müssen, sind es weitaus weniger Deutsche, die das einstige Motto tagtäglich leben.

Die Bundeskanzlerin sagt: „Wir schaffen das!“ Aber ist dem so? Den Optimismus Frau Merkels in allen Ehren, aber angesichts der Realität in den Notunterkünften und der sich nach und nach verschlechternden Stimmung in der Bevölkerung, ist dies zu bezweifeln.
Die Kanzlerin verlässt sich auf die Bemühungen der Länder, Kreise und Gemeinden, und die wiederum verlassen sich auf das Engagement der freiwilligen Helfer.

Denn diese sind es, die vor Ort die Geflohenen in Empfang nehmen und sie mit dem Nötigsten wie Kleidung und Mahlzeiten versorgen. Jeden Tagen helfen tausende deutsche Bürger den Menschen, die einen langen beschwerlichen Weg auf sich genommen haben, um in Sicherheit zu sein. Es sind Menschen aller Altersgruppen und aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten.

Nicht wenige von ihnen sind mit der aktuellen Flüchtlingspolitik der Bundesregierung unzufrieden, denn realistisch gesehen stehen wir alle vor einer Mammutaufgabe. Dies hindert sie aber nicht daran, täglich Brote zu schmieren, Kleiderspenden zu sortieren und auszuteilen oder einfach nur als Ansprechpartner da zu sein. Es sind einfach nur Menschen, die anderen Menschen in einer Notlage helfen.

Dank dieser engagierten Bürger sind überregionale Netzwerke entstanden, die eine Versorgung der Geflüchteten mit Nahrung, Kleidung und auch Hygieneartikeln sicherstellen. Sie organisieren regelmäßigen Deutschunterricht, damit die Flüchtlinge Alltägliches, wie Einkäufe oder die Suche nach bestimmten Behörden, schon vor ihren Integrationskursen meistern können. Sie sorgen dafür, dass Kinder und Jugendliche durch geplante pädagogische Betreuung dem Stress der beengten Notunterkünfte wenigstens für ein paar Stunden entfliehen können. Außerdem sind es die freiwilligen Helfer, die stets ein offenes Ohr bieten. Ein zuverlässiger Ansprechpartner für die Ängste und Sorgen, aber auch die Hoffungen, jener die die traumatischen Erlebnisse des Krieges und der Flucht erfahren mussten.

Dies und vieles mehr findet in Deutschlands Notunterkünften statt. Doch was leistet die Bundesregierung? Was leisten die Länder? Bis jetzt versteckt sich die Gastfreundschaft der mecklenburgischen Landesregierung hinter der hässlichen Maske der Bürokratie. Immer wieder stehen die Helfer und Geflohenen den starren und undurchsichtigen Strukturen der deutschen Behörden gegenüber. Trotz Bemühungen und Unterstützung auf kreispolitischer Ebene scheitern einfache Dinge an Debatten über die Zuständigkeit und entbehren dabei Lösungen. Auch Soziale Träger, die rasch und unbürokratisch die Betreuung der Notunterkünfte übernommen haben, stoßen derweil an ihre Grenzen, da die Refinanzierung für Personal und Versorgung noch immer nicht sichergestellt wurde. Durch defizitäre Kommunikation werden reibungslose Abläufe unterminiert, da die Helfer in der Zeit vor der Registrierung nur wenig Sicherheit vermitteln können.
Auch der Schutz der Betroffenen und der Helfer vor Anfeindungen und Übergriffen auf Leib und Leben ist kaum gewährleistet. Ohnmächtig müssen sie mit ansehen, wie fast täglich die Hoffnungen auf Freiheit, Sicherheit und ein festes Dach über dem Kopf, buchstäblich in Flammen aufgehen.

Trotzdem werden die freiwilligen Helfer nicht aufgeben. Jeder weitere Stein im Weg, jede brennende Notunterkunft ist Ansporn dafür, weiterzumachen. Wer, wenn nicht die Freiwilligen, würde sonst die tausenden Menschen, auf der Suche nach ein wenig Frieden, willkommen heißen? Wer würde sie mit dem Nötigsten versorgen? Wer würde sie nach den traumatischen Erlebnissen des Krieges und der Flucht auffangen? Wer würde sie begleiten auf ihrem Weg zur Integration in eine ihnen fremde Gesellschaft?
Die Menschen, die hier und jetzt für andere Menschen einstehen, ihnen die Hand reichen, werden jene sein, die auch die zukünftigen Generationen lehren, was Menschlichkeit und Mitgefühl bedeutet.

Es ist an der Zeit, dass die Politik sich dem anschließt und die einst so hoch gelobte Gastfreundschaft lebt. Es hilft nicht an starren bürokratischen Abläufen festzuhalten, wenn es um Menschen geht, die schneller Hilfe bedürfen. Sie muss den Freiwilligen den Rücken frei halten und stärken. Es müssen mehr Gelder zur Verfügung gestellt werden, um zum Beispiel unbürokratisch mehr 450 Euro-Kräfte zur Unterstützung und Entlastung der Helfer und sozialen Träger einstellen zu können. Bestellungen von dringend benötigten Artikeln müssen schnell und reibungslos bearbeitet werden, ohne dass Träger oder Helfer wochenlang in Vorkasse gehen. Zuständigkeiten müssen klar definiert sein. Neben der akuten Problemlösung darf auch langfristige und nachhaltige Politik nicht vergessen werden. Längst überfällige Anreize für Krankenschwestern, Pfleger, Erzieher, Sozialpädagogen, Lehrer und alle anderen sozialen Berufe müssen geschaffen werden, um sowohl unseren Mitbürgern, als auch unseren Gästen langfristig eine Perspektive und Sicherheit bieten zu können.

Fakt ist, dass die Freiwilligen Helfer immer wieder an ihre Grenzen gehen. Körperlich. Emotional. Aber nicht zuletzt auch finanziell. Und sie tun dies aus Überzeugung und aus dem Willen heraus, Menschlichkeit ein Gesicht zu geben und zu demonstrieren, dass auch schwerste Aufgaben mit ausreichend Engagement zu bewältigen sind. Doch nur gemeinsam können Politik und freiwillige Helfer das schaffen, was die Bundeskanzlerin versprochen hat.

 

Abschied nehmen und Kräfte sammeln

Am Freitag dem 09.10.15 fuhren zwei Busse gegen Mittag vor, um unsere Flüchtlinge in die Aufnahmeeinrichtungen nach Horst und Sternbuchholz zu verbringen. Ein freudiges Ereignis für beide Seiten, da sie nun wieder einen Schritt weiter sind. So packte beide Seiten der Elan und die Flüchtlinge unterstützten, wo sie nur konnten bei der Reinigung der Halle. Durch den unermüdlichen Tatendrang der freiwilligen Helfer und die unbürokratische Hilfe aus Wittenburg, konnte die Einrichtung am Samstag wieder komplett hergerichtet werden für den Neueinzug weiterer Bedürftiger. So harren wir der Dinge und warten auf das was noch kommen mag in den nächsten Tagen... 

 

Rührende Worte in einer schweren Zeit

Am heutigen Donnerstag erhielten wir eine Spende für ein Kleinkind, welche leider nicht durch uns persönlich entgegengenommen worden ist.

In diesem Beutel befand sich u.a. eine Ausstattung für die nassen Tage (Gummistiefel und Regenanzug) mit einem kleinen Brief, welcher folgenden Wortlaut hatte...

"Mein kleiner Freund,

Krieg und Gewalt haben Dich gezwungen, Deine Heimat zu verlassen! Nun bist Du in meiner Heimat und ich hoffe sie wird auch Heimat für Dich. Nutze diese Chance.

Bei allem was in Deinem Leben kommen mag, höre auf Dein Herz und handle mit Verstand! Alles Gute für Dich und Deine Familie.

Dein großer Freund"